Co-Sleeping – wissenschaftliche Erkenntnisse

Co-Sleeping aus Sicht der evolutionären Verhaltensforschung

 

Warum Babys nicht alleine schlafen und es nicht sollten

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Dass kleine Kinder nachts in die Nähe ihrer Eltern gehören, darin sind sich die meisten Kulturen rund um den Globus einig und empfinden es als genauso natürlich, wie uns das Schlafen der Eltern im gemeinsamen Ehebett. Mit einer Ausnahme: der modernen, industrialisierten, westlichen Welt. Da nehmen die meisten Eltern an, kleine Kinder sollten schon deshalb im eigenen Bettchen schlafen, weil sie sonst nicht selbstständig würden. Warum aber sollte man kleine Kinder in ein eigenes Zimmer verbannen, obwohl es ihnen ganz nah an der Mutter spürbar besser geht.

Co-Sleeping ist für Babys und Kinder das gemütlichste und geborgenste Schlafen überhaubt. In den vergangenen 100.000 Jahren war es eine absolut tötliche Gefahr seine Kinder alleine schlafen zu lassen. Babys empfinden das heutzutage auch in der sicheren Wohnung immer noch so und äußern ihre Angst durch bitterliches Schreien.

Auch die Säugetiere schlafen alle nur, wenn sie sich nicht bedroht fühlen. Bei Kindern ist es genaus so. Sie müssen nicht nur müde und satt sein um in den Schlaf zu finden , sondern auch warm und frei von Angst. Sie müssen sich sicher und geborgen fühlen. Und diese Sicherheit und Geborgenheit bietet ihnen niemand mehr, als die Nähe zu ihren geliebten Eltern.


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Co-Sleeping und die biologische Notwendigkeit

 

Kleine Kinder sind keine selbstständien Schläfer

Evolutionsbiologisch betrachtet war es unter den Bedingungen der menschlichen Frühgeschichte der sichere Tod für Kinder ohne den Schutz von Erwachsenen einzuschlafen. Niemals hätten zu jener Zeit die Erwachsenen ihre Kinder seperat und ungeschützt nächtigen lassen. Die Kleinen wären den Wetterverhältnissen schutzlos ausgeliefert gewesen und die Gefahr von wilden Tieren verschleppt oder gefressen zu werden, wäre zu hoch gewesen. Damit Kinder gut schlafen können brauchen sie keine Spieluhren und Einschlaflieder, sondern den engen Kontakt zu vertrauten Menschen, deren Körperkontakt und das Gefühl in Sicherheit zu sein. Auch wenn sich die Menschen weiterentwickelt haben und sich gerade in der modernen, industriellen Welt das Schlafen von Kinder im eigenen Kinderzimmer etabliert hat, befinden sich Babys im Denkprozess immer noch in der vergangenen Zeit.
Kein Lebewesen wird unreifer geboren als das Menschenkind – im Vergleich zu anderen Säugetieren und auch den anderen Primaten sind Menschenkinder Frühgeborene. Sie Wissen nicht, dass Mama und Papa direkt im Nachbarzimmer sind und auch nicht, dass sie geschützt von Wänden in einer sicheren Umgebung sind. Sie bekommen Angst, wenn sie ihre vertrauten Menschen nicht in Ihrer Nähe wissen und haben das Gefühl in Lebensgefahr zu sein. Sie verstehen nicht, warum Mama und Papa sie alleine lassen. Wenn sie dann irgendwann aufhören zu schreien ist es nicht, weil sie sich beruhigt haben, sondern weil sie vor Erschöpfung aufgegeben haben und eingeschlafen sind. Die Eltern-Kind-Bindung kann darunter sehr leiden. Das Baby kann das Vertrauen in seine Bezugspersonen verlieren.

Co-Sleeping – wichtig für die Kleinen

 

Was brauchen Babies und Kinder nachts

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Kinder brauchen den körperlichen Kontakt zu seinen Bezugspersonen. Ungeborene Babys sind im genauen Einklang mit ihrer Mutter. Sie spüren Ihre wärme, ihren Atem, ihren Herzschlag. All das wirkt beruhigend auf das Baby. Schon im Bauch entwickeln die Kleinen den selbigen Schlafrythmus, wie die Mutter. Werden sie nun nach der Geburt direkt in ein seperates Bettchen gelegt, fehlt Ihnen all diese Sicherheit und Geborgenheit. Alles ist fremd. Sie fühlen sich alleine, sie haben Angst.

Im Familienbett fühlen sich Babys und Kinder sicher und können meist schnell beruhigt werden, bevor sie ganz wach werden. Sie müssen sich sicher sein können, dass sie nachts nicht verlassen werden – die Nähe und Versicherung durch einen vertrauten Körper sind unabdinbar für Kleinkinder und für Babys sowieso. Zudem haben Babys einem Magen in etwa so groß wie ein Tennisball und müssen auch des nachts stillen, um das nächtliche Wachstum mit Nährstoffen zu versorgen. Die menschliche Muttermilch enthält nur 4-6 Prozent Fettanteil, während die Milch von nesthockenden Igeln ca. 25 Prozent Fett enthält. Die Milch von Igeln nährt ihre Schützlinge also über einen längeren Zeitraum.

 

Co-Sleeping – Vorteile für die Eltern

 

Erhohlung für alle Beteiligten

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Das Leben mit einem Kind kann anstrengend sein. Darum brauchen Eltern erholsamen Schlaf und natürlich Zeit für sich. Tagsüber gibt es nur wenige Ruheoasen, da werden die Abend- bzw. Nachtstunden schnell zum kostbaren Zeitfenstern. Co-sleeping hilft, sich nach schwierigen Tagen wieder gemeinsam zu erholen. Schläft man im gemeinsamem Familienbett wird zudem das nächtliche Stillen erleichtert, somit wachen weder Kind noch Mutter richtig auf. Einfach umdrehen, andocken, weiter schlafen – wer weniger als 15 Sekunden wach ist (egal ob alt oder jung), schläft schnell wieder ein. Selbst wenn keine Stillmahlzeit ansteht, beruhigt sich ein Kind ganz schnell, sobald es Mama spürt, riecht und hört. Schläft man im gemeinsamen Familienbett, wird man des nachts nicht von einem schreienden Baby aus dem Tiefschlag gerissen und muss auch nicht aufstehen, um sein ängstliches Baby wieder in den Schlaf zuwiegen oder es zu stillen. Kinder, die minutenlang rufen und Mütter, die erst ins Kinderzimmer flitzen müssen, sind mit Sicherheit hellwach.Der Schlafrhythmus der Mutter passt sich direkt nach der Geburt an den Rhythmus ihres Babys an. Im Laufe der Evolution hat sich Ihr Körper so entwickelt, dass sie ihre Nachkommen nachts schützt, wärmt und ohne zu erwachen ständig spürt, ob alles okay ist. Wenn Papa sich in der Zeit des Wochenbettes mit Zeit nehmen konnte, dann klappt das oft auch bei ihm! Außerdem stärkt das gemeinsame Schlafen die Eltern-Kind-Bindung ungemein.

 

 

Co-Sleeping – Das sagen die Experten der Wissenschaft

 

Ein Baby sollte IMMER bei den Eltern schlafen

  • Gemeinsames Schlafen tut Babys und Kindern gut, um Ihr Urvertrauen wieder aufzubauen, um einfach zu wissen: „Hier bin ich beschützt, hier fühle ich mich wohl!“ Wenn Eltern das gemeinsame Schlafen im Familienbett wollen und die Kinder darauf einsteigen – die meisten Kinder wollen gerne im gemeinsamen Bett schlafen – ist das in Ordnung. Es ist nichts, was ihrer Entwicklung im Wege stehen würde oder sie irgendwie behindern würde. Ganz im Gegenteil: Es ist bekannt, dass die Entwicklung frühgeborener Kinder eindeutig besser verläuft, wenn sie im körperlichen Nahbereich der Mutter schlafen können: Nicht nur sind ihre lebenswichtigen Körperfunktionen (Herzschlag, Atmung, Temperaturregulation, Sauerstoffversorgung) stabiler, sie gedeihen auch besser, wachsen schneller und entwickeln sich auch neurologisch günstiger, d.h. sie erreichen viele »Meilensteine« ihrer Entwicklung früher.
  • Babies, die sich ihrer Eltern auch nachts immer sicher sein konnten, gehen als Kleinkinder selbstbewusster und stabiler in ein turbulentes Leben hinaus. Es spricht vieles dafür, dass die Mutter für das Kind an ihrer Seite eine Art Reifungsstütze ist, die dem vergleichsweise unreif geborenen Menschenkind erlaubt, seine körperlichen Funktionen rascher zu entwickeln. Familienbettkinder sind emotional stabiler und früher selbstständig, können Trennungszeiten besser verkraften und haben ein gesundes Verhältnis zu Schlaf und Einschlafen.
  • Ein weiterer, wichtiger Vorteil des Co-Sleeping ist die Verringerung des Risikos des plötzlichen Kindstodes (solange kein Zigarretten- oder Drogenkonsum besteht). Das Schlafen am Körper der Mutter verhilft jungen Babys nicht nur zu einem stabileren Herzschlag und Atmungsrhythmus, sondern hilft ihnen auch ihre Wärme besser zu halten. In den ersten Wochen und Monaten kann das Baby seine Wärme nämlich selbst noch nicht gut regulieren und ist zumindest unter klimatischem Stress von Auskühlung bedroht.  Messungen zeigen, dass im eigenen Bettchen schlafende Säuglinge eine niedrigere Körpertemperatur haben als gestillte, bei ihrer Mutter im Bett schlafende Babys – Säuglinge scheinen den Körper ihrer Mutter also auch als nahrhafte Energiequelle zu nutzen.
  • Der gemeinsame Schlaf scheint aber auch direkte körperliche Auswirkungen zu haben. So zeigen Studien im Schlaflabor: Gestillte Kinder, die bei ihrer Mutter schlafen, stillen nachts doppelt so oft (und fast dreimal so lang) wie ihre ebenfalls gestillten, aber getrennt von der Mutter schlafenden Altersgenossen. Der Forscher James McKenna konnte zeigen, dass bei der Mutter schlafende gestillte Säuglinge nachts immerhin ein Drittel mehr Kalorien zu sich nehmen als die im eigenen Bett schlafenden Säuglinge! Somit leiden sie weniger an Gedeihstörungen. Nächtliches Stillen ist sehr wichtig, damit die Milchproduktion stabil bleibt! Wenn auch nachts häufig gestillt wird, hält die Milchproduktion länger an, was ich ebenfalls positiv auf das Immunsystem auswirkt.
  • Ein Baby sollte immer bei den Eltern schlafen. Sei es im Elternbett, im Babybalkon oder im eigenen Bett. Je nach Bedürfnissen von Eltern und Baby. Studien legen nahe, dass, wenn das Baby in den ersten Wochen auf dem Rücken liegt, die Gefahr des plötzlichen Kindstotes sinkt. Sobald das Kind beweglicher geworden ist und sich drehen und wenden kann, kann man es beruhigt in seiner Lieblingsposition schlafen lassen. Es sollte auf eine sichere Schlafumgebung geachtet werden. Das Baby sollte nicht unter einer Decke liegen. Die Gefahr, dass es sich nachts unter die Decke strampelt ist zu hoch. Besser eignet sich ein Babyschlafsack.
  • Mutter und Kind entwickeln identische Schlafzyklen, wenn die Mutter stillt und von Anfang an gemeinsam mit ihrem Baby schläft. Die Mutter durchläuft also häufigere REM-Phasen (Phasen leichteren Schlafes). Zudem wechseln Mutter und Kind nahezu zeitgleich von Phasen leichteren Schlafes zum Tiefschlaf und umgekehrt. Das erwachende Baby reißt seine Mutter somit selten aus dem erholsamen Tiefschlaf.
  • Videoaufnahmen von mit Infrarotkameras zeigen zudem, dass selbst die Bewegungen von Mutter und Kind unbewusst aufeinander abgestimmt sind. Die meisten beobachteten Mutter-Kind-Paare liegen sich fast die ganze Nacht Gesicht zu Gesicht gegenüber. Dabei werden immer wieder schützende oder »ordnende« Eingriffe der Mutter beobachtet. So lagert die Mutter ihr Baby beispielsweise nicht selten um und das selbst, während sie schläft! Dabei legt sie das Kind interessanterweise fast immer auf den Rücken, also in die inzwischen als sicherste Schlafposition erkannte Position – möglicherweise, weil das Stillen so leichter ist. Und immer wieder bekommt das Kind Zuwendung: Die Mutter klopft, streichelt, schaukelt und umarmt das Baby, auch Flüstern und Reden kommen vor.

Eine weitere Studie zum Thema Co-Sleeping des Dr. James McKenna, seit 1997 Professor an der University of Notre Dame in South Bend, Indiana (USA) und Direktor des dortigen Schlaflabors für die Erforschung des gemeinsamen Schlafens von Mutter und Kind, finden Sie bei Rabeneltern.

 


Co-Sleeping – Sicherheit

Was Sie beachten sollten, wenn Sie ihr Baby mit ins Familienbett nehmen

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  • Raucher sollten nicht neben dem Kind schlafen. Ausgeatmete Luft enthält Nikotin- und Schadstoffreste, welche vom Kind eingeatmet werden könnten
  • Keine Beruhigungsmittel, Drogen oder Alkohol und Substanzen die das Bewusstsein beeinträchtigen können
  • Keine dicken Decken, keine dicken Kissen verwenden
  • Keine Kuscheltiere im Bett
  • Keine hochflorigen Felle unter dem BabyAn Adipositas erkrankte Eltern mit Schlafapnoe sollten ihr Baby am Besten im Beistellbett schlafen lassen
  • Die Temperatur im Schlafzimmer sollte zwischen 16-18 °C betragen. Im Familienbett ist es wärmer, als allein im Kinderbett. Ziehen Sie Ihr Baby also nicht zu warm an. An heißen Sommertagen beispielsweise reicht ein Body und ein Baumwolltuch als Decke oder ein dünner Schlafsack  aus völlig aus
  • Sichern Sie das Schlaflager so ab, dass Ihr Baby weder heraus fallen, sich einklemmen noch irgendwo hinein rutschen kann. Am Besten Sie schieben das Bett an die Wand und lassen ihr Kind grundsätzlich lieber zwischen Ihnen und der Wand als zwischen Ihnen und Ihrem Partner liegen. Väter schlafen meist wie Steine und bekommen im Schlaf nichts mit
  • Matzratzenlücken mit Wolldecken, Nestchenschlange etc. ausfüllen
  • Sobald Ihr Baby mobiler geworden ist, sollten Sie an Ihrem Bett zusätlich einen Rausfallschutz anbringen.
  • Ganz wichtig ist die Größe der Liegefläche – sie muss so groß sein, dass alle Beteiligten genügend Bewegungsfreiraum haben
  • Kein Wasserbett
  • Die Schlafunterlage sollte eine feste Matratze sein

 

Fazit:

Hören Sie auf Ihre Intuition! Babys und Kinder gehören nachts zu Ihren Eltern. Sie schlafen am Besten in der Nähe und Geborgenheit Ihrer Bezugsperonen. Die Eltern-Kind-Bindung wird verstärkt. Familienbett-Kinder schreiten selbstbewusster ins Leben hinein. Für alle Familienmitglieder werden die Nächte im Familienbett erholsamer und alle starten ausgeruht in einen neuen Tag!

Quellenangabe:

  1. Lüpold, Sibylle: Ich will bei euch schlafen!
  2. Sunderland, Margot: Die neue Elternschule (2006)
  3. Schmidt, Nicola: artgerecht – Das andere Baby-Buch: Natürliche Bedürfnisse stillen.
  4. www.frauenzimmer.de:
  5. www.geborgen-wachsen.de
  6. http://www.familienhandbuch.de – Dr. Herbert Renz-Polster: Der gemeinsame Schlaf aus Sicht der Evolution